Unsere Biergarten-Ordnung *

Eine Gebrauchsanleitung für den Sommerspaß aus Bayern

Es ist wahr, dass die Bayern die Erfinder des Biergartens sind.
In Bayern stehen muss er allerdings nicht. Ob im Ruhrgebiet,
in Berlin oder Hamburg, überall schießen die Biergärten inzwischen
aus dem Boden. So auch ab Mai in Wolgast. Wenn man sich jedoch als
Nicht-Bayer in einen bayerischen Biergarten begibt, gibt es doch ein
paar Dinge zu beachten:

Zunächst mal das Wichtigste – das Hopfenkaltgetränk

Im Biergarten trinkt man normalerweise keinen Sprizz, keinen Prosecco,
keinen Tee und auch keinen edlen Bordeaux– sondern Bier.
(Wer kein Bier mag kriegt natürlich auch hopfenlosen Alkohol
oder alkoholfreie Getränke)
.
Bitte keine Fragen nach Mindestabgaben im Milliliterbereich.
Gibt es bei manchen Getränken nur eine Maß, dann teile sie dir
(falls es dir zuviel ist) mit deiner Begleitung. In Bayern ist man nicht so antiseptisch.
Ecke nach Möglichkeit bei der Aussprache nicht zu sehr an:

Eine „Maß" spricht man nicht „Maaß", sondern knapp wie „Fass".

Weniger Privatsphäre, dafür mehr Bekanntschaften

Nicht weniger entscheidend ist die Tischwahl im Biergarten. Hier gilt:
Gleiches Recht für alle! Das bedeutet zwar, dass du dich – nach freundlicher Nachfrage –
 fast überall dazugesellen kannst. Gleichzeitig solltest du dich jedoch von der
Privatsphäre eines Restaurants verabschieden. Wenn Platz knapp ist, kannst du
keinesfalls einen ganzen Tisch für dich und deine  Begleitung belegen, weil ihr es
grade zärtlich angehen wollt.
Seht es als Bereicherung eures Nachmittags oder Abends, wenn ihr im Biergarten
hautnah neue Bekanntschaften macht. Im Regelfall ist man im Biergarten nach einer Maß –
wie auf dem Berg über 1000 Metern – per Du. Der Wirt und sein Team bringen euch
mit dem bayerischen "du, ihr, euch, euer" ihre Wertschätzung entgegen.

Im Biergarten darf man sein eigenes Essen mitbringen

Wer trinkt, bekommt meist auch Hunger. Inzwischen bieten fast alle Biergärten
frische Speisen an: Etwa „Obatzdn " (eine Käsespezialität), Bayerischen oder
Schweizer Wurstsalat (der ist zusätzlich mit Käse), gehobelten und
gesalzenen „Radi" (Rettich) oder einen traditionellen Leberkäse. Das war nicht immer so:
In ihrem Ursprung waren die Biergärten lediglich lauschige Plätzchen über den Kühlkellern
der Brauereien, wo Kastanien Schatten spendeten. Die bayrische Stadtbevölkerung
zog sich dorthin vor über hundert Jahren in den heißen Sommermonaten zurück.
Irgendwann bekamen die Brauereien eine Schankerlaubnis für all die Leute,
die ihr Essen selbst mitbrachten.

Die eigene Mahlzeit mitzubringen, ist in bayrischen Biergärten bis heute
verbrieftes Recht.
Rümpfe also nicht die Nase über den Nachbarn, der eine Tischdecke ausbreitet
und seine Privat-Brotzeit auftischt. Das ist kein Geiz sondern Brauchtum.
Dennoch freut sich der Wirt über Gäste, die seine mit viel Sorgfalt und Liebe
zubereiteten Speisen geniessen.


Bitte keine Lieder im Biergarten grölen!

Natürlich geht es in einem Biergarten zünftig zu. In manchen spielt sogar eine Blaskapelle auf!
Diese Art von musikalischer Untermalung sollte dich jedoch keinesfalls dazu animieren
selbst ein Ständchen zum Besten zu geben – und schon gar nicht betrunken.
Ein Biergarten ist etwas völlig anderes als das Oktoberfest. Hierher zieht man sich zurück,
weil man sich erholen will.


Wohl bekomms und ein Prosit auf die Gemütlichkeit !

 

* Infos teilweise aus Internetrecherche